The Magic Numbers - The Runaway

Hört man "The Pulse", den Opener des dritten
Magic-Numbers-Albums "The Runaway", muss man an die
Großen denken. An die der Gegenwart, etwa die Flaming Lips
oder Arcade Fire, aber auch an die der Vergangenheit, vorrangig
Fleetwood Mac. Weil Roman und Michele Stodart und Sean und Angela
Gannon sich trauen, ihre Songs am Formatpop vorbei zu entwerfen,
weil die Arrangements mit Sorgfalt und jeder Menge Gespür
entwickelt wurden. Die vom leider unlängst verstorbenen
Robert Kirby in Szene gesetzten Streicher etwa: ganz im
Hintergrund, fast nur auf Kopfhörer wahrzunehmen, kippen sie
leicht nach unten, während der Song sich in den Himmel
schwingt.
Der Vierer aus London hat sich emanzipiert. Von seinen ersten
beiden Platten, die 2005 und 2006 erschienen, aber auch von den
Erwartungen, die die beiden Geschwisterpaare immer im
Independent-Pop stattfinden ließen. Und davon, dass von
Kritikern und Fans nicht musikalische Finesse, sondern
Freundlichkeit und Gutmütigkeit als Kernkompetenzen der Band
angenommen wurden. Das war damals schon ungerecht, angesichts
dieser Songs ist es abwegig: Mit bemerkenswerter Sicherheit
wechseln die Briten auf "The Runaway" zwischen Tempi
und Stimmungen.
Sie agieren im ungemein eleganten "Why Did You Call
Tonight" als cool Cats mit dezent schleichender
Jazzpop-Kante und einem tolle Akzente setzenden Bass, um
anschließend ("Once I Had") lässig Richtung
Seventies-Pop zu schlendern. "Restless River" zitiert
verwunschenen Folk, funktioniert aber auch über Percussion,
"Sound Of Something" wechselt innerhalb weniger Minuten
aus der Lagerfeuergitarre in den gediegenen Pop. Im weiteren
Verlauf spielen auch noch Psychedelic und Soul eine sehr
große Rolle, was sich uncool und irgendwie beliebig
anhören mag, aber großartig funktioniert, weil die
ausgefuchsten Vokalharmonien der Band immer als Klammer dienen.
So mag die Platte auf eine andere Art und Weise überzeugen
als ihre Vorgänger: weniger durch die Unmittelbarkeit der
Songs, dafür aber durch eine Wucht in der Ausführung,
die einen spätestens im zweiten oder dritten
Hördurchgang fasst. "The Pulse" ist wie ein alter
Schuhkarton mit Polaroids, den man auf dem Dachboden findet und
zu dem einen anfangs der Bezug fehlt, dessen Inhalt aber
verwunschene Schönheit entfaltet - wenn man ihn ausbreitet,
sortiert, sich hineinwühlt.
The Magic Numbers auf Deutschland-Tournee
17.10., Hamburg, Knust
25.10., Berlin, Magnet
26.10., Köln, Luxor
Jochen Overbeck| The Magic Numbers - The Runaway | | Genre | Rock/Pop |
| Interpret | The Magic Numbers |
| Vertrieb | Universal |
| Bewertung | ausgezeichnet |
Quelle: "teleschau - der mediendienst"